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Wenn ein "Bart tragen" Weisheit bedeutet, dann
    wäre ein Ziegenbock auf gleichem Niveau mit Plato. - Lukian von Samosata

Gerber Datenformat

Als Standard für den Datenaustausch zwischen Leiterplattendesigner und dem Leiterplattenhersteller gilt das Gerber Datenformat. Das Gerber Datenformat hat seit seiner Einführung eine umfangreiche Weiterentwicklung durchlaufen.

Das Gerber Datenformat ähnelt dem für die Stiftplotter geschriebenen HPGL Druckdatenformat und wurde für Fotoplotter geschrieben. Auf einem Stiftplotter (Flachbettplotter) ist das Papier fixiert und ein Wagen der die Zeichenstifte aufnimmt, bewegt sich in X und Y Richtung auf dieser Ebene. Meist wurden technische Zeichnungen mit Tuschestiften unterschiedlicher Breite angefertigt. Bei einem Fotoplotter werden Lichtstifte eingesetzt, denen verschieden große Blenden vorgeschaltet werden. Der Lichtstrahl fährt dann die Leiterbahnen und PADs über einem Lichtempfindlichen Film ab.

Gerber RS274–D

Das älteste mit ‘RS274–D’ bezeichnete Datenformat sollte heute nicht mehr verwendet werden. Die geringe Anzahl möglicher Blenden und die Trennung von Blenden und Plot Daten in unterschiedliche Dateien ist fehlerträchtig und entspricht nicht mehr den heutigen Ansprüchen. Dennoch haben die in diesem ursprünglichen Datenformat verwendeten Befehle und die Datenstruktur unverändert Gültigkeit:

Gerber RS274–X

Seit Jahren wird als Nachfolger das ‘RS274 X’ oder auch Extended Gerber Format verwendet. In diesem Format sind die Blenden in die Plot Daten integriert, die falsche Blenden-Zuordnung ist damit sicher unterbunden. Am Datenformat wurden ergänzende Befehle eingefügt, das ursprüngliche Format blieb aber unverändert. Die oben beim RS274–D Datenformat aufgeführten Befehle sind unverändert gültig. Hinzugekommen sind durch Prozentzeichen eingerahmte Befehle Aperture–Definition (AD) & Aperture–Macro (AM)

Wird die Y-Längenangabe nicht angegeben so wird X = Y angenommen. Der Innendurchmesser bezeichnet einen Ausbruch (Bohrung). Wird sowohl die X und Y Angabe für die Innenlänge nicht angegeben wird eine gefüllte Blende gezeichnet.

Gerber X2

Mitte 2014 wurde die Erweiterung zum neuen Datenformat ‘Gerber X2’ eingeführt. Das neue Ausgabeformat wird eigentlich "Gerber Version 2" genannt, X2 ist die Umgangssprachliche Kurzform hiervon. Neu hinzugekommen sind die drei Befehlsgruppen (TF, TA und TD). Diese dienen ausschließlich zusätzliche Informationen über die Eigenschaften, wie beispielsweise die Lagenstruktur oder eine Unterscheidung zwischen PADs und VIAs zu ermöglichen.
Das Gerber - Grundprinzip: ASCII lesbare Datei, Blendenwechsel, Lichtstift An/Aus, sowie Fahrwege über X und y Koordinaten wurde beibehalten. Ergänzt durch eine Prüfsumme zur Datensicherheit und zusätzlichen automatisch erzeugten Dokumentation Ausgaben.

Das Gerber-Format wird seit 1997 von der belgischen Firma Ucamco gepflegt die das Format gekauft hat. Ucamco hat mit Eurocircuits, LPKF und AT&S die eine neue Spezifikation Gerber X2 erarbeitet. Die aktuelle Revision der Gerber-Format Spezifikationen mit ausführlichen Beschreibung alle Befehle ist auf der Ucamco Download-Seite frei verfügbar.

ODB++

Das ODB++ Datenformat stellt sich als erweiterte Datenausgabe mehr Informationen zur Verfügung. Es ist neben der Leiterplattenfertigung auch zur Erstellung von Testadaptern und Prüfsoftware geeignet. Im ODB++ Datenformat ist eine Netzliste zur zusätzlichen Beschreibung der Verbindungen auf dem PCB vorhanden. Alle Daten befinden sich in einer Datei. Grafische Daten werden exakt beschrieben. Weiterhin enthalten sind die Bohr- und Fräslagen mit der Zuordnung welche Bohrungen welche Lagen kontaktieren. ODB++ ist eine Marke der Mentor Graphics Corporation. Wegen der undurchsichtigen Prozessbeschreibung ist es zur Leiterkartenfertigung nicht mein persönlicher Favorit.

Bohrdaten

Excellon Drill File, als Standard NC-Drill-File Bohrdaten-Ausgabe in Altium Designer, enthält die Koordinaten der Bohrungen der Leiterplatte im maschinenlesbaren Datenformat. Obwohl in den Gerberdaten graphisch dargestellte Bohrdaten ausgegeben werden können, muss ein Datensatz differenziert zwischen durchkontaktierten (DK) und nicht-durchkontaktierten (NDK) Bohrungen zusätzlich ausgegeben werden. Zu jedem Bohrdatensatz gehört eine Werkzeugliste mit Bohrdurchmessern. Wie bei den Gerberdaten, werden die Bohrdaten im ACII Format ausgegeben und dürfen weder gespiegelt noch gedreht werden.